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frühe Kindheit | ||
Unsanft aus den pränatalen Träumen gerissen wurde ich am 29.06.1975, als es plötzlich hell wurde. | ||
1977 - als ich 2 1/2 war - bin ich von meiner Mutter im Zuge einer damals so genannten 'Familienzusammenführung' mit in den 'goldenen Westen' (wo mein Vater lebte) genommen worden. Leider hatten die beiden nie geheiratet - eines Mißverständnisses wegen, welches erst nach dem Tod meines Vaters aufgeklärt wurde. Mein Vater Heinz Engler war der Berliner Generalvertreter der Feuersozietät (einer Versicherungsgesellschaft) und war mit Margot Engler verheiratet. Ich war also ein uneheliches Kind. Da der Rest meiner Familie im Zweitweltland des Versuchssozialismus zum Abgewöhnen blieb und für westberliner Kinder kaum Reisebeschränkungen in die DDR galten, hab ich den Bonus, sozusagen beide Seiten der Mauer zu Genüge betrachtet zu haben. | ||
Kindergarten | ||
Meine Kindergartenzeit verbrachte ich mit der ständigen Flucht vor Fußball und ähnlichen Gruppensportarten, welche mir - im Gegensatz zu meinen Freunden - nie gefielen. Als man mich bat, dann doch mal bei einem Fußballspiel mitzumachen, überraschte ich wegen völliger Regelunkenntnis meinerseits meine Mitleidenden im Kindergarten mit einem Dutzend noch eben schnell ausgeschnittener roter und gelber Pappkarten - ich dachte, die brauche ich dafür. | ||
Teenagerliebe | ||
Dämlicherweise verschlug es mich auf ein humanistisches Gymnasium - das Goethe-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf: Eliteschule, Zeckenhaufen, Gehirnwaschanstalt oder zumindest irgendwas dazwischen. Latein und Altgriechisch haben es mir immerhin ermöglicht, am Ende der Klassenstufe mehrmals meinen Bekanntenkreis zu erweitern. | ||
Ungefähr auch in der Zeit wurde ich auf den Namen Toke getauft und in die Sippe Bussard des Pfadfinderstammes Normannen aufgenommen. Dort lernte ich die Natur aus einem mir bis dahin völlig verschlossenen Blickwinkel kennen. | ||
Als ich zwölf wurde, bekam ich ein tolles Geburtstagsgeschenk: meinen ersten Computer, einen Atari 1040STF. Mit EINEM Megabyte Speicher!!! Und Diskettenlaufwerk! Nach den ersten Gehversuchen in ST-Basic fand ich schnell zu der Sprache, die damals in allen einschlägigen Magazinen der Renner war: GFA-Basic (Das is' sowas wie Pascal mit C-, Assembler- und Basic-Einflüssen) und programmierte seitdem fleißig in meiner Freizeit (inzwischen auch in anderen Sprachen). | ||
1988 habe ich meinen Vater verloren. Ich lag bereits im Bett, konnte nicht schlafen und bin zu meiner Mutter ins Zimmer gegangen, um ihr zu sagen, daß wir meinen Vater finden müssen. Ich weis nicht, woher ich das wußte, aber es war mir klar, daß es dringend ist. Wir haben dann seine Frau wachgeklingelt, die uns sagte, sie wüßte auch nicht, wo er gerade sei. Daß er zu diesem Zeitpunkt bereits im Rudolph-Virchow-Krankenhaus lag, wußte sie. Wir haben dann alle Krankenhäuser abtelefoniert und sind fündig geworden. Man sagte uns: "Kommen Sie schnell!" Als wir dort ankamen, war er noch bei Bewußtsein. Und hier machte ich einen Fehler, den ich mir bis heute nicht verziehen habe und den ich mir auch nie verzeihen werde: Mein Vater hat sich immer an den Mund gedeutet und wir dachten, er wolle etwas zu trinken haben. So haben wir ihm dann immer die Lippen befeuchtet. Seine letzte Geste war, daß er die Hand meiner Mutter und meine aufeinander gelegt hat und mir wurde erst nach seinem Tod klar, warum er immer auf seinen Mund gedeutet hatte: er wollte sein Sprechgerät, um uns noch etwas zu sagen. | ||
Inzwischen hatte seine Frau seine Wohnung aufgebrochen und das Testament (mein Vater wollte mich als alleinigen Erben) vernichtet. Die Feuersozietät wollte sich an der Beerdigung beteiligen, aber sie verbat jegliche öffentliche Trauerfeier, setzte eine anonyme Beerdigung durch und erwirkte eine einstweilige Verfügung, die es der Kirche verbat, anderen (und damit uns) Ort und Datum mitzuteilen. Daß wir an der Beerdigung meines Vaters teilnehmen konnten ist nur der Tatsache zu verdanken, daß der Priester die Gerichtsverfügung nicht mit seinem Glauben vereinbaren konnte. Der Song Call my Name ist meinem Vater gewidmet. | ||
Meine Mutter fand später einen Brief hinter ihrer Kommode im Korridor, der wohl mal auf der Kommode gelegen haben muß und unbemerkt dahintergefallen ist. Er war von meinem Vater: Er wollte sie heiraten und sich von seiner Frau scheiden lassen - sie hätte nur ja sagen müssen... | ||
Die erste Nacht in einer Zelle | ||
Als ich mit Martin Kirves in meinem Zimmer saß und wir nicht so recht Bock hatten da rumzusitzen, beschlossen wir, zur Olbersstraße am Bhf. Jungfernheide zu gehen, wo gerade Häuser saniert wurden. Unser Plan sah vor, in einen Dachstuhl über die Baugerüste zu gehen und dort bei Bier und Kerzenschein Rollenspiel zu machen. Also packten wir meinen Werkzeugkasten ein und kletterten auf das Baugerüst eines Hauses, welches wir für leerstehend hielten. Oben angekommen, bemerkte ich einen roten Sportwagen, der schon zum zweiten Mal durch die Straße fuhr, obwohl noch Parkplätze frei waren. Ich sagte dann zu Martin: "Laß uns verschwinden" und wir kletterten wieder runter. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußten, war, daß sich eine alte Dame von der Hausverwaltung nicht hat herausklagen lassen und als Einzige in dem sonst leeren Haus wohnte. Und die hat die Bullen gerufen, als sie uns vor ihrem Fenster sah. Als wir unten angekommen sind, fuhren gerade an beiden Enden der Straße jeweils zwei Wannen vor und Bullen mit Schlagstöcken stürmten auf uns zu. Mit einer Häuserfront auf der einen und einem Zaun auf der anderen Seite war wegrennen zwecklos. Wir wurden gegen die Autos geworfen: | ||
| Polizei: | Wo is der Rest von Eurer Bande? | |
| .rhavin: | Welcher Rest? | |
| Polizei: | Für die Aussage müßt' ick Dir eigentlich erstmal eins auf die Fresse haun. | |
Wie sich später herausstellte, hatte eine Bande Rumänen die Gegend seit einigen Tagen unsicher gemacht, und wir mit unseren blonden Haaren und blassen Gesichtern wurden sofort für welche gehalten. Wir wurden dann zum Sophie-Charlotte-Platz gefahren und kamen einzeln in einen Raum mit zwei Bullen. Meine Version ging so: | ||
| Bulle 1: | Ausziehen, Schnürsenkel raus! | |
| .rhavin: | OK. (zieht sich aus) Warum soll ich denn die Schnürsenkel raus machen? | |
| Bulle 2: | Damit ham sich schon welche in der Zelle erhangen. | |
| Bulle 1: | Und wenn der Kollege sagt, du sollst die Schnürsenkel raus machen, dann hast du die Schnürsenkel rauszumachen. | |
Der Erste war offensichtlich Vogone. Martins Version war auch geil: | ||
| Bulle 1: | Ausziehen, Schnürsenkel raus! | |
| Martin: | (schlägt die Hacken zusammen und salutiert) Jawohl Herr Obersturmbannführer! | |
Ich hab dann wildes Geschrei gehört und Martin wurde erstmal mißhandelt. Ich wurde in Unterwäsche in eine Zelle gesteckt, in der die Kotze von der Wand lief und die Klimaanlage auf Arktis gestellt war, Martin kam in eine Zelle, in der Zentimeterhoch die Pisse stand. Nach 11 Stunden haben sie uns freigelassen, weil sie uns sonst hätten verpflegen müssen. | ||
Lehrjahre sind... scheiße | ||
Das Gymnasium hab ich dann mit Realabschluss erstmal verlassen und eine Ausbildung zum 'Industriemechaniker für Maschinen und Systemtechnik' (man kann auch Maschinenschlosser dazu sagen, aber das klingt nicht so wichtig;-) bei der SIE*ENS AG (Name unkenntlich gemacht) begonnen. Ich wollte ursprünglich eine elektronische Ausbildung machen, jedoch führte meine Grün-Blau-Sehschwäche dazu, daß ich durch den Farbtest fiel. Alle anderen haben einfach beschissen und sind durchgekommen, aber ich war mal wieder zu ehrlich. | ||
Im ersten Lehrjahr hatte ich eine folgenschwere Begegnung: Ich habe schon immer nebenher kleine Gedichte geschrieben; nun traf ich auf jemanden, der gerade an der Werkbank saß und über einem Songtext brütete. Sein Name war Mathias und er kam bei einer Stelle nicht weiter. Ich weis nicht mehr wie der Text war, aber meine Idee schien ihm zu gefallen, jedenfalls kamen wir ins Gespräch: | ||
| Mathias: | "...Lass uns zusammen Musik machen!" | |
| .rhavin: | "Ich kann kein Instrument spielen." | |
| Mathias: | "Kauf dir 'nen Bass. Is einfach..." | |
Ich fand die Idee so klasse, daß ich's tat (einen Ibanez BK 4-String). Und kaufte gleich noch 'ne Gitarre; Wir schrieben das Jahr 1993 und ich hatte mit 18 Jahren endlich das Musikmachen für mich entdeckt. | ||
Lebe deinen Traum! | ||
Auch wenn die Sache mit Mathias nicht klappte, der Grundstein war gelegt und ein Schulfreund (Güney) reif mich eines Tages an und sagte, er habe da eine Band und ... sie suchten einen Bassisten - damals hatte ich den Bass schon 3 mal seit Auspacken in der Hand gehabt und sagte natürlich sofort zu. Die Band hieß zuerst 'Hard of Hearing', dann 'Halfcast' und dann 'Pretend to Fake' und wurde im Haus der Jugend in Berlin-Zehlendorf gegründet. Hier traf ich das erste Mal auf Peywand . Nur irgendwie kam keiner der vielen Drummer, die diese Band hatte, längere Zeit mit unserem Rhythmusgitarristen klar. Also wurde aus 'Pretend to Fake' die Band 'Seed' - mit festem Drummer und einem Rhythmusgitarristen weniger;) | ||
Mit Peywand hab ich mein erstes Konzert außerhalb Berlins gehabt - in Hagen, auf einem internationalen Musiker-Camp mit allerlei Workshops. In Hagen hab ich damals auch meinen Geburtstag gefeiert und ein Mädchen - ihr Name war Lydin - schenkte mir 'sich'. Da ich 'etwas' angetrunken war, bin ich eingeschlafen, als sie nur mal kurz zur Toilette wollte. Sie hat dann den Rest des Camps nicht mehr mit mir geredet. | ||
Peywand schleppte mich dann mal mit in die Katakomben des Flughafens Tempelhof, wo er noch eine weitere Band hatte. Ich lernte Robert und Kalle kennen und sie suchten ein Bassisten. Ehe ich michs versah war ich der Bassist der Band Cord , mit der ich meine ersten bezahlten Gigs hatte und mit der ich im Interzone-Studio in Berlin drei Songs aufnahm: Yannik, Wie steht's mit dir? und Kannst Du's nicht versteh'n? . | ||
Robert kam aus 'ner Film-Familie und ist in kürzester Zeit die Karriereleiter zum Setaufnahmeleiter raufgefallen, wodurch keine Zeit mehr für die Band blieb. Leider. | ||
Die Lehre hab ich abgeschlossen, dem Laden den Rücken gekehrt und mein Abitur am Berlin-Kolleg nachgeholt. Dort lernte ich Didi kennen und wurde von ihm mit der Band Galvano bekannt gemacht. Sie suchten einen Bassisten. | ||
In Galvano stieg dann auch der musikalische Anspruch. Während es bei meinen bisherigen Bands noch unter 20 Songs waren, waren es nun auf einmal über 60. Da waren viele Coversongs dabei, aber Didi und Punky komponierten auch fleißig, unser Blues-Harper Tino steuerte ein paar Songs bei und von mir wurden auch welche ins Programm genommen. Galvano war die Band, die mich singen lehrte, insbesondere Didi , der von mir astronomische Falsett-Höhen und ständige Stimmenwechsel verlangte, was mich damals etwas nervte, wofür ich ihm aber heute dankbar bin. | ||
Ein Freund von mir aus Siemensstadt hatte im dortigen Jugendhaus einen Bandraum und... nunja, sie suchten einen Bassisten. Die Band hieß 'Drux Bunny', wurde mehrmals umgebaut und wurde dann zu Fairytale . Leider haben unser Gitarrist Markus und unsere Sängerin Anina dann ein Vollzeitstudium der Zahnmedizin begonnen und hatten keine Zeit mehr für uns. Seither suche ich eine Band, in der ich nicht nur meine Balladen, sondern auch meine Rocknummern unterbringen kann. | ||
Ich hab mich dann an der Technischen Universität immatrikuliert für die Fächer Mathematik und Informatik. Als der Studentenstreik losging, war ich natürlich auch mit dabei und hatte endlich wieder die Perspektive, in diesem Land etwas verändern zu können. (Siehe hierzu auch Politische Aktionen ). Wir haben auch den Offenen Kanal Berlin besetzt, eine Aktion, aus der die Fernsehsendung You ain't seen nothing yet hervorging. | ||
Irgendwann bin ich von einem Freund meiner Freundin Kerstin (in diesem Fall ein weiblicher Freund, die dt. Sprache ist was das anbelangt ja totaler Mist!)angerufen worden. Um es kurz zu machen: die Band hieß Sons of Twighlight und bietet mir seitdem die Möglichkeit, mal auf der Bühne ein wenig abzuhotten. | ||
Inzwischen hatte ich mich mit Punky verkracht und Galvano brauchte einen neuen Schlagzeuger. Hexe machte mich mit Gabi bekannt. Kurz danach sagte mir wizard , der Gitarrist der Sons of Twighlight , daß ein Freund von ihm ein Konzert hätte und wir da "Anwesenheitspflicht" auf der Party hätten. Und auf dieser Party traf ich Jerrah . |